Passionsandacht zum Sonntag Reminiscere für zuhause

2. Sonntag der Passionszeit - Reminiscere

28. Februar 2021 – Vikarin Patricia Müller

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer evangelischen Dreifaltigkeitskirche in Kaufbeuren und unserer Homepage!
In der Passionszeit 2021 möchten wir Ihnen wieder – wie im letzten Jahr auch – Andachten zum Mitnehmen bereitstellen. Sie liegen in der Dreifaltigkeitskirche aus und sind über unsere Homepage abrufbar. Sie laden dazu ein, Zuhause Gottesdienst zu feiern. Gebe Gott uns seinen Segen – heute und an jedem Tag, bis wir uns wiedersehen!
(Zu Beginn können Sie gerne eine Kerze entzünden und sprechen:)

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Evangelisches Gesangbuch 180
Allein Gott in der Höh' sei Ehr' /Und Dank für seine Gnade/
Darum dass nun und nimmermehr / Uns rühren kann kein Schade/
Ein Wohlgefall'n Gott an uns hat/ Nun ist groß' Fried' ohn' Unterlass/ All' Fehd' hat nun ein Ende.

Gebet
Wir erinnern uns an deine Heilstaten, Gott.
Aus dem Chaos des Ursprungs
hast du deine Schöpfung ins Leben gerufen und sie wunderbar gestaltet.
Wir freuen uns an ihrer Schönheit,
ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt.
Dein Volk Israel hast du aus der Sklaverei in die Freiheit geführt.
Du hast ihm und uns die Zehn Gebote gegeben,
die gemeinsames Leben ermöglichen und schützen sollen.
In Jesus bist du Mensch geworden und uns ganz nah gekommen.
Sein Sterben am Kreuz hat alles,
was uns von dir und von anderen Menschen trennt, weggenommen.
Durch seine Auferstehung haben wir eine lebendige Hoffnung über den Tod hinaus.
Wir erinnern uns an deine Heilstaten, Gott.
Und wir danken dir.
Amen.

Stille

Lesung aus dem dem Buch Jesaja, Kapitel 5, Vers 1 - 7
1Singen will ich von meinem Schatz, das Lied meines Lieblings über seinen Weinberg:
Einen Weinberg hatte mein Schatz auf einer fruchtbaren Anhöhe.
2Mein Schatz grub ihn um, entfernte seine Steine und bepflanzte ihn mit edlen Reben,
baute einen Turm mitten hinein, hob eine Keltergrube aus
und hoffte darauf, dass er gute Trauben trüge, aber er trug saure Beeren.
3Aber nun, die ihr wohnt in Jerusalem und ihr, Leute von Juda,
sprecht Recht zwischen mir und meinem Weinberg!
4Was gab es noch zu tun an meinem Weinberg, das ich nicht für ihn getan habe?
Warum hoffte ich darauf, dass er gute Trauben trüge, aber er trug saure Beeren?
5Aber nun will ich euch wissen lassen, was ich meinem Weinberg antun will:
seine Dornenhecke entfernen, so dass er abgeweidet wird, seinen Zaun einreißen, so dass er zertrampelt wird.
6Ich gebe ihn der Zerstörung preis: Er soll nicht beschnitten und nicht gehackt werden, damit er Disteln und Dornen aufgehen lässt,
und den Wolken verbiete ich, auf ihn Regen fallen zu lassen.
7Denn der Weinberg Gottes der Heere ist das Haus Israel und die Leute Judas sind Pflanzen zur Freude Gottes:
in Hoffnung auf Rechtsspruch, sieh da: Rechtsbruch, in Erwartung von Gemeinschaftstreue, sieh da: Trauergemeinschaft.

Evangelisches Gesangbuch 94
Das Kreuz ist aufgerichtet/ der große Streit geschlichtet / Dass er das Heil der Welt/ in diesem Zeichen gründe/
gibt sich für ihre Sünde/ der Schöpfer selber zum Entgelt.

Gedanken zum Sonntag: Ein Liebeslied!

Ein Mann singt über eine Frau, ein Liebeslied. Ein Liebender singt für seine Angebetete. Die Frau, eine fruchtbare Anhöhe. Sie wird umgegraben, von ihren Ecken und Kanten und Steinen befreit und schmückt sie mit goldenen Ketten und edlen Reben. Was für eine Arbeit das sein muss, völlige Aufopferung. Er will sie schützen und pflegen. Er errichtet einen Turm mitten hinein.

Diese Symbolik wurde übernommen für eine besondere Beziehung: Ein Liebeslied und eine Liebeserklärung Gottes an die Menschheit. Ihr alle seid der Weinberg! Los jetzt, bringt gute Früchte!

aber er trug saure Beeren.    

Und plötzlich wendet sich das Blatt.

Passionszeit. Wir leiden. Der Weinberg ist ein Sinnbild, er wurde verlassen. Nackt und hilflos steht er da, dem Wild ausgeliefert, kein Regen mehr in Sicht, Dornen und Disteln wuchern. So fühlt sich die Gottesferne wohl an. Unheil. Angst. Einsamkeit. Ausgeliefertsein. Wut.

Wie reagieren Sie, wenn Sie wütend sind oder im Streit? So ein richtig fieser Streit. Zwischen Eheleuten oder Eltern und Kindern. Wie viel Wut da manchmal hochkochen kann. Und dann diese Vorwürfe: Was soll ich denn noch tun?

Da entsteht eine Kluft zwischen zwei Parteien. Zwischen Liebenden. Zwischen Eltern und ihren Kindern. Zwischen Gott und den Menschen. Jeder sieht sich im Recht.

Streit kocht eigentlich nur in Beziehungen richtig hoch, in denen es sich lohnt zu streiten. Streit bring eine Beziehung auch mal weiter. Hilft neue Wege zu gehen. Sich neu aufeinander einzugrooven. Nochmal enger zusammenzuwachsen.

Es gibt diese Lebenssituationen in denen wir die Gottesferne erleben. Einsamkeit und Angst. Wie ein verlassener Weinberg.
In der Passionszeit fühlen wir hier nach und gehen den Weg mit. Mit Blick nach vorne. Mit dem Wissen um Kreuz und Auferstehung. Mit der Aussicht auf Versöhnung (Versöhnung nach einem Streit?). Und mit Blick auf das Liebeslied. Eine Liebeserklärung an die Menschheit. Auch an dich.

Stille

Vaterunser
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Segen
Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden (aaronitischer Segen)

Als pdf downloaden können Sie die komplette Andacht hier: