Andacht zum Sonntag Lätare für zuhause

Heilige Schrift
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Lätare – 4. Sonntag in der Passionszeit, 22. März 2020 – Pfarrer Sebastian Stahl


Liebe Besucherinnen und Besucher unserer evangelischen Kirchen in Kaufbeuren und Neugablonz und unserer Homepage!
In diesen Tagen und Wochen ist es uns nicht möglich, mit Ihnen Gottesdienst zu feiern. So möchten wir Ihnen mit dieser Andacht Gebete, Gedanken und Segensbitten geben in der Hoffnung, dass wir uns bald wieder in unseren Gotteshäusern versammeln können!

Gebe Gott uns seinen Segen – heute und an jedem Tag, bis wir uns wiedersehen!

 

(Zu Beginn können Sie gerne eine Kerze entzünden und sprechen:)

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Evangelisches Gesangbuch 91, 1

Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, / mich in das Meer der Liebe zu versenken, / die dich bewog, von aller Schuld des Bösen / uns zu erlösen.

Gebet

Barmherziger Gott,

wir bringen dir unsere Angst und Sorge, weil wir deutlich spüren, dass wir unser Leben nicht in der Hand haben. Die Maßnahmen wegen des Coronavirus beeinträchtigen unseren Alltag in einer Weise, die wir sehr lange oder noch gar nicht kannten.

Wir bitten dich für jene, die in diesen Tagen wichtige Entscheidungen über Maßnahmen gegen das Virus treffen müssen, schenke ihnen Weisheit und Mut, das Richtige zu tun. Hilf uns, die Entscheidungen mitzutragen, auch wenn sie für uns mit Einschränkungen oder Verzicht verbunden sind.

Wir bitten dich für alle Menschen, die sich um die medizinische Versorgung kümmern. Segne und begleite sie in ihrem Dienst. Beschütze sie vor Ansteckung.

Wir bitten dich für alte und kranke Menschen, für die ein besonderes Risiko besteht. Wir bitten auch für Menschen in Ländern, in denen die medizinische Versorgung schlechter ist als bei uns.

Hilf, dass es gelingt, das Virus einzudämmen und bald Heilungsmöglichkeiten zu finden. Amen.

Stille

Lesung aus dem Buch Jesaja, Kapitel 66 (10-14)

Freut euch mit Jerusalem, jubelt über sein Glück, ihr alle, die ihr es liebt und denen sein Leid zu Herzen geht! Ihr werde erleben, wie es Hilfe erfährt, wie es mächtig und herrlich wird. Und ihr werdet euch daran laben wie das Kind an der Mutterbrust. Ich, der Herr, verspreche: Ich schenke Jerusalem Glück und Wohlstand; der Reichtum der Völker wird ihm zufließen wie ein nie versiegender Strom. Ihr werdet euch daran laben; ihr werdet euch geborgen fühlen wie ein Kind, das von seiner Mutter auf der Hüfte getragen und auf den Knien gewiegt wird. Ich werde euch trösten, wie eine Mutter tröstet. Das Glück Jerusalems wird euch glücklich machen. Wenn ihr das erlebt, werdet ihr voll Freude sein; neuer Lebensmut wird in euch erwachen, so wie im Frühling das frische Grün sprosst.

Evangelisches Gesangbuch 553,1.5


Wer leben will wie Gott auf dieser Erde,  / muss sterben wie ein Weizenkorn, / muss sterben um zu leben.

Den gleichen Weg, ist unser Gott gegangen; / und so ist er für dich und mich / das Leben selbst geworden.


Gedanken zum Sonntag

Begrüßungsrituale der Welt – man kommt aus dem Staunen nicht raus! In Frankreich, ganz klar, macht man „la bise“: Küsse im Wechsel auf die Wangen, zwei oder drei, in manchen Regionen sogar vier. Die Maori in Neuseeland legen beim „Haongi“ die Stirn und die Nase aneinander. Beim „Shaka-Gruß“ schließen die Hawaianer die Faust und spreizen zugleich Daumen und kleinen Finger. Und Hände schütteln? Das ist der weltweit geläufigste Gruß. In Schweden, England, Australien… und in Deutschland: zum „Hallo“ oder „grüß Gott“ sagen, schüttelt man oft einander die Hand – unmöglich und unbedingt zu vermeiden in diesen Zeiten der Coronapandemie! Hände schütteln ständig, das war bis vor kurzem noch völlig normal. Aber mit dem Coronavirus kam für viele auch die Angst vor Ansteckung. Und Experten raten ja: So wenig Sozialkontakte wie möglich! – Schwierig! Gerade bei uns in der Kirche, die doch ein Ort der Zuflucht und des Friedens sein soll. Da ist es auch völlig normal, dass Menschen sich berühren, einander umarmen oder zumindest die Hand geben. - Ich bin dazu übergegangen, die Menschen zu begrüßen, wie man es in Indien und in anderen asiatischen Ländern tut.

„Namaste!“, zu diesem Gruß legen

Namaste
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​die Menschen die Handflächen aneinander und machen eine leichte Verbeugung vor ihrem Gegenüber. „Namaste“, „das göttliche Licht in mir grüßt das göttliche Licht in dir!“ Ich finde das wunderbar! „Namaste!“, das passt zu uns allen! Denn alle Religionen sagen doch: Wir sind Ausdruck der Liebe Gottes, göttlich, Teil des Urgrunds allen Seins. Mit „Namaste!“ anerkenne ich, dass der Mensch, der vor mir steht, ein Kind Gottes ist wie ich auch - ein würdiges Geschöpf, dem ich mit Respekt begegnen möchte! "Namaste! Ich grüße das Göttliche in Dir!" - Das gefällt mir sogar besser, als das Händeschütteln unserer westlichen Zivilisation. Und Keimfreiheit ist garantiert!

(Pfarrer Sebastian Stahl)

Stille

Vaterunser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unserem Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.


Segen

Möge der Schöpfer des Universums, der dir das Leben gab, sich von den Toren des Himmels zu dir herabbeugen, um dich zu segnen.

Er segne deinen Tag und deine Arbeit, er segne deinen Kopf und deine Füße, er segne dein Herz und deinen Mund, er segne deine Familie und alle Geschöpfe unter der Sonne. Er lasse den Frühling mit seinem Segen blühen.

Er segne auch deinen Nachbarn und den Kranken, den du nicht kennst.

Er möge auch dein Alter segnen und deinen Tod. Denn nichts wächst und reift und wird Frucht ohne den Segen dessen, der über dich wacht und über die Welt.

Es segne dich unser liebevoller Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

(aus Irland)

 

Als pdf downloaden können Sie sich die komplette Andacht hier: